Wehrhahnlinie Station Heinrich-Heine-Allee, Düsseldorf

  • aufgabe:
  • Planung der U-Bahn Station Graf-Adolf-Platz der Wehrhahnlinie in Düsseldorf
  • bauherr:
  • Landeshauptstadt Düsseldorf
  • verfahrensart:
  • Wettbewerb 2001, geladen, 1. Preis
  • fertigstellung:
  • 2016
  • kunst realisierung:
  • Ralf Brög (Soundkünstler: Stefan Schneider, Düsseldorf (Labor)
    Kevin Rittberger, Berlin (Theater) Kurt Dahlke/Jörn Stoya, Berlin/Düsseldorf (Auditorium))
  • fotos:
  • Jörg Hempel, Aachen
  • auszeichnungen:
  • Mies van der Rohe Award 2017, Nominierung | Preis des Deutschen Architektur Museum in Frankfurt, 2017, shortlist | Tunneling Award 2016, Finalist | World Architecture Festival 2016, Finalist | iconic awards 2016, Rat für Formgebung, winner |
  • Die Wehrhahnlinie ist eine Gemeinschaftsleistung von Architekten, Ingenieuren, Künstlern und der städtischen Verwaltung und ist das Ergebnis einer insgesamt fünfzehnjährigen Planungs- und Bauzeit in Düsseldorf. Die 3,4 km lange neue Tunnelstrecke mit 6 Untergrundstationen verläuft unterhalb der Düsseldorfer Innenstadt und zeigt in ihrem einzigartigen Konzept wie Architektur und Kunst untrennbar miteinander verknüpft werden kann.

    Raum
    An der Station Heinrich-Heine-Allee wird die Wehrhahn-Linie mit dem bereits bestehenden U-Bahn-Netz verknüpft. Der neue U-Bahnhof Heinrich-Heine-Allee schließt an seinem Westkopf an zwei bestehende, getrennte Fahrröhren an, die bereits vor etwa 35 Jahren im Zusammenhang mit dem hier auf Höhe der Verteilerebene kreuzenden Bestandsbahnhof Heinrich-Heine-Allee-Oben gebaut wurden. Am Ostkopf der neuen Station wurden die getrennten Gleise wieder zusammengeführt. Die Integration der neuen U-Bahn-Station in den konstruktiven Bestand sowie die ‚Unterfahrung‘ des denkmalgeschützten Kaufhofgebäudes machten für diese Station konstruktive wie auch typologische Sonderlösungen erforderlich: Die getrennte Trassenführung wird über einen breiten Mittelbahnsteig erschlossen.

    Am Westkopf des Bahnhofes erfolgt die Umsteigebeziehung zum Bestandsbahnhof über zwei Zugänge, mit je einer Fest- und einer Fahrtreppe innerhalb des bestehenden Verbindungsbauwerks. Die Höhendifferenz zwischen diesem Verbindungsbauwerk und dem westlichen Ende des neuen Mittelbahnsteigs wurde durch eine leichte Rampe ausgeglichen.

    Die über dem Bestandsbahnhof gelegene A-Ebene (Verteilerebene Ladenpassage) wurde mit drei Fahrtreppen, die unmittelbar auf den Mittelbahnsteig führen, verbunden.

    Am östlichen Ende des Mittelbahnsteigs (Heinrich-Heine-Allee-Unten) ist der Stationsraum an die Ausgänge zur Königsallee angebunden. Hierbei führen vom Bahnsteig zunächst drei Fahrtreppen auf eine langgestreckte Verteilerebene. Am Kopfende dieser Ebene liegen sich zwei Aufgänge zur Königsallee gegenüber. Der nördliche Zugang besteht aus einer Festtreppe, der südliche aus einer Fest- und zwei Fahrtreppen.

    Die Stirnseite der Verteilerebene wird über ein gläsernes Oberlicht mit Tageslicht akzentuiert. In diesem Bereich befinden sich auch zwei Abgänge zu einem unterirdischen Ausstellungsraum, in dem historische, während der Baumaßnahmen gesicherte Fundstücke gezeigt werden.

    Drei Modellräume
    Die drei neuen Zugänge der Station Heinrich-Heine-Allee wurden von Ralf Brög sowohl visuell als auch akustisch als Aufführungsorte für wechselnde Klang- und Soundbeiträge gestaltet – als „Theater“, als „Labor“ und als „Auditorium“. Alle drei Modellräume sind mit einem hochwertigen Soundsystem ausgestattet, das verschiedenartigste akustische Interventionen ermöglicht und über die Jahre möglichst facettenreich von verschiedenen Komponisten oder Soundkünstlern genutzt werden soll. Zur Eröffnung sind Soundbeiträge von Autor und Regisseur Kevin Rittberger (Theater), von Komponist Stefan Schneider (Labor) und von Musiker Kurt Dahlke und Künstler Jörn Stoya (Auditorium) zu hören.

    Das „Labor“ thematisiert den experimentellen Umgang mit Tönen. Im Raum hängen Klangskulpturen, ihnen gegenüber visualisiert der „Interferenz-Atlas“ optische Phänomene. Im „Theater“ erkennt man auf keramischer Oberfläche einen Theatervorhang. Zu hören sind Texte und anderes Klangmaterial. Für den ‚Betrachter‘ stellt sich die Frage nach dem eigenen Standort: Ist er Teil des Schauspiels oder ist er Publikum? „Auditorium“ ist mit 48 Lautsprechern bestückt, die einzeln ansteuerbar sind. Durch dreidimensional geformte Wandelemente wird die Ausbreitung des Schalls modelliert, wodurch die akustischen Eigenschaften des Raumes optimiert werden. Diese Ausstattung erlaubt eine einzigartige kompositorische Herangehensweise und ein ebenso einzigartiges Hörerlebnis.

    Prozess und Baukunst
    In allen drei konzeptionell und technisch verschiedenen Soundkorridoren – Auditorium, Theater und Labor – sind sondergefertigte Steuerungssysteme installiert.

    Im Auditorium werden in einem Spatial-Sound-Verfahren über eine Achtundvierzigkanal-Soundinstallation die einzelnen Soundmodule frei in Raum und Zeit bewegt und erzeugen eine räumliche Illusion. Die Wände bestehen aus prägeverformten plastischen Emailelementen, die die akustischen Eigenschaften des Raumes durch Diversifizierung der Brechungswinkel optimieren. Die erste Klangarbeit besteht aus 127 aufgenommenen und digital bearbeiteten Vogelstimmen.

    Im Theater werden raumfüllende Sprachwiedergaben durch digital steuerbare Zeilenlautsprecher hörbar gemacht. Die Wandverkleidung, die an ein stark skaliertes Vorhangmotiv denken lässt, wurde in einem keramischen Digitaldruckverfahren hergestellt.

    Das Labor ist ausstaffiert mit in metallischem Keramikdruck hergestellten Platten (acht Motive plus ein Urmotiv) und zwei skulpturalen Soundobjekten, gefertigt aus pulverbeschichteten Lochblechen. Die Objekte, bestückt mit zum Teil individuell gefertigten Hornlautsprechern, funktionieren als hochwertiges Siebenkanal-Lautsprechersystem.

    zum Projekt Wehrhahnlinie

    zur Station Kirchplatz
    zur Station Graf-Adolf-Platz
    zur Station Benrather Strasse
    zur Station Schadowstrasse
    zur Station Pempelforter Strasse