Cuno-Raabe-Schule, Fulda

  • aufgabe:
  • Neubau der Cuno-Raabe-Schule in Fulda
  • auftraggeber:
  • Stadt Fulda
  • verfahrensart:
  • Verhandlungsverfahren mit Darstellung eines Lösungsansatzes, 2022, 1. Rang
  • bewerbergemeinschaft:
  • netzwerkarchitekten und gtl
  • größe:
  • ca. 6.700 qm (BGF)
  • status:
  • in planung
  • fachplaner:
  • GTL (Landschaftsplanung) | Tragraum (statische Beratung) |
  • mitarbeit:
  • Rosanna Just-Calisir, Niklas Storch, Matthias Walter
  • visualisierungen:
  • luxfeld digital art, Darmstadt |
  • Mit der Neukonzeption der Cuno-Raabe-Schule besteht die einmalige Chance den identitätsstiftenden denkmalgeschützten Bestand der ehemaligen Kirche mit einer neuen Nutzung in den Schulalltag und in das räumliche Programm zu integrieren. Der Neubauanteil wird minimiert und somit wichtige Ressourcen geschont. In Kombination mit dem kompakten, riegelförmigen Baukörper entsteht ein moderner, nachhaltiger und zukunftsweisender Schulcampus. Der Gebäuderiegel reagiert mit einem Knick in der Kubatur auf den Bestand und bildet so einen campusförmigen Schulhof als Auftakt und räumliche Klammer zwischen den Gebäuden. Das Bestandsgebäude erhält einen witterungsgeschützten Einbau als `Haus im Haus´ und ist im Obergeschoss über einen Brückenschlag mit dem Schulriegel gekoppelt.

    Der 3-geschossiger Neubau wird entlang der nordwestlichen Grundstücksgrenze positioniert und bildet den Auftakt zur räumlichen Arrondierung des ehemaligen Kirchenareals östlich des Gallasiniring. Die Cuno-Raabe-Schule bildet als Klammer zusammen mit der Kindertagesstätte, der Sporthalle und den anschließenden, gemeinsam genutzten Sport- u. Freibereichen eine campusähnliche Neustrukturierung des Gesamtareals.

    Zentrales Herzstück der Freianlagen ist der großzügige, zusammenhängend befestigte Schulhof zwischen ehemaliger Kirche und dem Neubau. Der Höhenversatz zwischen Straße und den Anschlusshöhen der Kirche, die wiederum die Höhe des Haupteingangs der Schule definiert, wird von eine verschleifenden Sitzstufenanlage aufgenommen. Einzelbäume gliedern den Hof, ohne die Bewegungsmöglichkeit der Kinder einzuschränken.
    Im Westen schließt sich der dichte mit Bäumen überstandene `Tobewald´ an. Sein Untergrund besteht aus einer abgekiesten Fläche, in die robuste Kräuter eingesät werden. Unter dem Kletter- und Balancier- Gerüst geht der Belag nahtlos in Fallschutzkies über. Abseits vom Trubel ist in der nordwestlichen Ecke ein ruhiger Bereich ausgewiesen, der als grünes Klassenzimmer genutzt werden kann. Auch die Anlage eines Schulgartens kann bei entsprechendem Bedarf hier erfolgen. Die erforderliche Abstellanlage für Fahrräder findet sich eingangsnah gegenüber der ehemaligen Kapelle und ist vom Schulhof über eine Rampe anfahrbar. Die PKW- Stellplätze werden in Synergie zur südlich gelegenen Einfahrt der Kindertagesstätte arrondiert. Wir regen an den Stellplatzbedarf in Synergie zum südwestlich gelegenen zentralen Parkplatz neu zu strukturieren. Das Pflanzkonzept sieht in den Randbereichen robuste einheimische Sträucher wie z.B. Haselnuss vor, die einem hohen Nutzungsdruck gewachsen sind. Eine möglichst große Artenanzahl sowohl bei den Gehölzen als auch bei den Saum- und Kräutereinsaaten soll im täglichen Umgang lebendiges Anschauungsmaterial für die Umwelterziehung bieten.

    Der Neubau wird über ein zentrales Atrium im Knickbereich der Kubatur zoniert. In den Gebäudeflanken befinden sich jeweils die eigenständigen Lernhäuser der Klassenverbände, die sich über eine zentrale, multifunktionale Forumsfläche zum Schulcampus hin orientieren. Jeweils am Eingang des Lernhauses befinden sich die dezentralen Lehrerzimmer. Im Erdgeschoss gliedern sich die Gebäudeflügel in den Verwaltungsbereich und in den nordöstlich gelegenen Fachunterrichtsbereich.
    Vom Atrium aus spannt im ersten Obergeschoss eine Brücke zum Bestandsgebäude und koppelt so die Lernhäuser mit den gemeinschaftlich genutzten Ganztagesfunktionen im Gebäudebestand. Die Brücke bildet im EG eine überdachte Schulhoffläche und Kopplung der Haupteingänge in beide Gebäude, die sich hier an zentraler Stelle gegenüberliegen.
    Im ehemaligen, in seiner Substanz wertigen Kirchengebäude wird von einer grundsätzlichen aufwändigen energetischen Sanierung des Bestandes abgesehen, da sich durch etwaige Außen- oder Innendämmungen die Gestalt und der Charakter des Gebäudes erheblich verändern würde. Stattdessen wird das Konzept eines `Hauses im Haus´ angewendet bei dem eine eigenständige Gebäudestruktur in den Raum eingestellt wird, die eine hochwertigen Wärmeschutz erhält und das notwendige zu beheizende Volumen im Verhältnis zur Gesamtkubatur möglichst geringhält. Dieser Körper kann baulich einfacher ausgeführt werden, da die eigentliche alte Gebäudehülle weiterhin den Witterungsschutz leistet.
    Das strukturbildende Element des `Haus im Haus´ sind die bestehenden Baumstützen aus Beton und die prägnante Dachstruktur. Der Einbau lässt diese unberührt, entwickelt aber aus deren Rhythmus neue Außenbezüge, und eine durch neu Oberlichter durchdringende Belichtung des Bestandes. Die Gebäudestruktur bleibt bis auf die vorhandene Empore erhalten und prägt weiterhin den Raum.
    Im Erdgeschoss liegt die neue Mensa, die über die Aula zu einem zusammenhängenden Veranstaltungsbereich gekoppelt werden kann. Der ehemalige Altarbereich dient zukünftig als Bühne. Im Obergeschoss befindet sich in Synergie zur Mensaküche die Lernküche sowie der Ganztagesbereich und die Bibliothek. Die riegelförmige Struktur spannt alternierend bis zur Außenfassade des Bestands und erhält hier großzügig verglaste Fensteröffnungen.
    In den Übergangsjahreszeiten kann der Raum zwischen Einbau und Bestand als erweiterte Fläche der Mensa und Aula genutzt werden, die Dachfläche dient als witterungsgeschützter Dachgarten und Spielfläche. Die nicht temperierten Klimazonen bieten im Schulalltag oder für Sonderveranstaltungen einen entsprechenden Mehrwert. Für den ehemaligen Glockenturm schlagen wir eine temporär nutzbare `Schulsternwarte´ vor. Die ehemalige Taufkapelle wird zum Raum der Stille.